Vom 12. bis 20. August 2006 "fliegen die Späne" im Rennsteiggarten
Als Hauptveranstaltung zum Jahr der Naturparke fand in Partnerschaft von Naturpark Thüringer Wald e.V., Rennsteiggarten Oberhof, Rhöner Holzbildhauerverein und Forstamt Oberhof vom 12. bis 20. August 2006 ein Holzbildhauersymposium im Rennsteiggarten statt.
13 Holzbildhauer, darunter zwei polnische und ein in Togo gebürtiger Künstler, arbeiteten in dieser Zeit an ihren Projekten zum Thema „Vielfalt im Naturpark Thüringer Wald – Brücken bauen zwischen Mensch und Natur“.
Gartenbesucher konnten den Künstlern bei der Arbeit zuschauen und von ihnen Näheres über die Umsetzung des Themas erfragen.
Die während des Symposiums entstandenen Werke bleiben im Rennsteiggarten Oberhof noch bis zum Saisonende am 5. November 2006 und während der gesamten Gartensaison 2007 ausgestellt. Sie sind mit einer kurzen Erläuterung und der Fußzeile „Holzbildhauersymposium im Rennsteiggarten 2006“ gekennzeichnet.
Pressemitteilung Fotogalerie- Impresionen vom Holzbildhauersymposium
Hier die Künstler und Ihre Projekte:
Volker Sesselmann Lidia Rosinska-Podlesny Heinz Günther
Jörg Bäßler Fred Rottenbach Czeslaw Podlesny
Erhard Dreßler Klaus-Peter Belke Albrecht Ripp
Susann Schade Ametepe Yaovi Soviadan Tanja Röder
sowie als Gast Franziska Meldau

Projekt zum Holzbildhauersymposium im Rennsteiggarten Oberhof:
Aus Buchenholz wird Volker Sesselmann die Skulptur „Stammhalter“ arbeiten. Der Mensch als Nutznießer der Natur ist im Gegenzug verpflichtet, die Natur zu schützen. Nur so wird er seine Existenz langfristig sichern können.
Drei stilisierte Menschenfiguren, die als Baumstützen dienen, sollen dies symbolisieren. Es wäre vorstellbar, dass diese Skulptur bei einer Baumpflanzung im öffentlichen Raum aufgestellt wird.

Projekt zum Holzbildhauersymposium im Rennsteiggarten:
Aus Buchenholz wird Jörg Bäßler eine Skulptur arbeiten, die einen Greifvogel auf einer menschlichen Hand darstellt. Unser Leben wäre ein Nichts ohne eine gesunde Natur. Der Mensch hat die Pflicht mit der Natur zu leben und sie so schonend wie möglich zu behandeln, damit auch spätere Generationen, gleich ob Mensch oder Tier, in dieser Welt noch leben können.

Während des Holzbildhauersymposiums im Rennsteiggarten Oberhof wird Erhard Dreßler aus Eichenholz eine Plastik „Mädchen mit Blumenstrauß“ herausarbeiten. Das Werk zeigt ein Mädchen, welches an einem selbst gepflückten Blumenstrauß riecht.

Projekt zum Holzbildhauersymposium im Rennsteiggarten Oberhof:
Susann Schade wird „Vehikel“ aus Kiefern- und Buchenholz bauen, die verschiedengestaltige stilisierte Naturformen tragen. Sie verwendet dabei jahrtausendalte überlieferte Grundformen, die kulturübergreifend für Pflanzen und Bäume standen. Das „Vehikel“ wird als Hilfsmittel zum Transport einer Idee, eines angestrebten Wertes oder von Informationen angesehen. In diesem Sinne könnte auch ein Naturpark ein „Vehikel“ sein…
Projekt zum
Holzbildhauersymposium im Rennsteiggarten Oberhof:
An einer Skulptur aus Lindenholz „Wasser – Symbol des Lebens“ möchte Klaus-Peter Belke Wasser spürbar machen. In einer wasserreichen Landschaft wie dem Thüringer Wald kann man den Segen des Wassers fühlen, lernen, diese Fülle zu achten – gerade angesichts weltweiter Wasserknappheit und –verschmutzung und des Kampfes multinationaler Konzerne um Wasserrechte.
Während der Arbeit soll den Formen des Holzes gefolgt und dies ausgearbeitet werden, ebenso wie Wasser den vorgegebenen Formen folgt und sie weitet.
Lidia Rosinska-Podlesny zu ihrer Skulptur „Frau mit Kind“
(aus Buchenholz) für das Symposium im Rennsteiggarten Oberhof: Meine Skulptur
steht symbolisch für die Mutter Natur, die Mutter Erde. Frau – Mutter ist ein
Symbol für den Kreislauf; die Natur wächst jedes Jahr von neuem auf und vergeht
wieder. Menschen sind von der Natur abhängig und müssen sie schützen wie eine
Mutter ihr Kind.

Zum Holzbildhauersymposium im Rennsteiggarten Oberhof wird Heinz Günther eine Skulptur aus Eichenholz („Eichenkopf“) gestalten.
Projekt zum
Holzbildhauersymposium im Rennsteiggarten Oberhof:
Fred Rottenbach wird aus Buchenholz eines der Vier Elemente, das Wasser, gestalten.
Feuer, Luft, Wasser, Erde sind im Menschen, aus ihnen besteht er. Vom Feuer hat er die Wärme, Atem von der Luft, vom Wasser Blut und von der Erde das Fleisch; in gleicher Weise auch vom Feuer die Sehkraft, von der Luft das Gehör, vom Wasser die Bewegung, von der Erde das Aufrechtgehen (nach Hildegard von Bingen).

Czeslaw Podlesny über seine Skulptur (aus Fichtenholz) für das Symposium im Rennsteiggarten Oberhof: meine Skulptur will ein Symbol sein und die starke gegenseitige Abhängigkeit in der Natur zeigen. Der Baum, der zu Lebzeiten mit seinen Blättern und Zweigen die Vögel schützte, wurde eines Tages gefällt. Ich verwende das Holz als Material, lasse aber nicht seine vorherige Funktion außer acht. In meine Skulptur lege ich eine nützliche Funktion, indem ich ein Vogelhaus hineinsetze.

Über seine Plastik „Am seidenen Faden“ aus Kiefernholz schreibt Albrecht Ripp:
Die Idee stammt aus einem meiner früheren Berufe als Aufzugsmonteur. Viele Menschen, mit denen ich damals zu tun hatte, stellten immer wieder die gleiche Frage: „Was passiert, wenn das Seil reißt!“ In der Aufzugstechnik passiert nichts Schlimmes, da der Mensch durch viele Sicherheitsmechanismen geschützt ist.
In der Natur sieht das schon ganz anders aus. Der Mensch ist seit Urgedenken überzeugt, er müsse der Natur „auf die Sprünge“ helfen.
Die Natur braucht uns nicht – aber wir brauchen die Natur.
Doch verstanden haben wir diese Logik immer noch nicht. Was wir Menschen als die „Schöpfung“ bezeichnen, ist ausgereift und perfekt.
Es ist ein Zusammenspiel von Prozessen und Verknüpfungen, die bis heute noch nicht erforscht sind. Doch Forschung und Wissbegierde heißen nicht, zerstörend in die „Schöpfung“ einzugreifen. Viele Natur-völker, die wir als „Wilde“ bezeichnen, haben mit der Natur in Einklang gelebt. Der moderne Mensch aber ist nicht mehr in der Lage mit der Natur zu leben. Einige wenige mag es schon geben, sie werden jedoch von den „fortschrittlichen“ Menschen als Spinner bezeichnet.
Das Innere eines Seiles nennt man in der Seilkunde auch die Seilseele. Um diese Seilseele baut sich ein Seil auf. Wird die Seilseele verletzt, ist das Seil unbrauchbar.
In Bezug auf diese Plastik ist die Seele der Natur, das Urprinzip der Natur noch intakt.
Wenn diese Schöpfung also symbolisch bis vor wenigen hundert Jahren noch an einem festen Seil hing, so hängt sie heute nur noch an einem seidenen Faden.
Wie lange noch ? Albrecht Ripp
Zum
Holzbildhauersymposium im Rennsteiggarten Oberhof wird Ametepe Yaovi Soviadan
eine Figur aus Eichenholz gestalten.

Zum Holzbildhauersymposium im Rennsteiggarten Oberhof wird Tanja Röder das Thema „Der Mensch bildet eine Brücke in der Natur“ aus Buchenholz gestalten. Die abstrahierte menschliche Figur soll wie eine Brücke in der Landschaft liegen, Dynamik-Leichtigkeit-Bewegung-Schwung versinnbildlichen das Schaffen und die Entwicklung der Menschen.

Franziska Meldau über ihr Projekt zum Holzbildhauersymposium im Rennsteiggarten Oberhof: Meine Plastik stellt Mutter Erde dar, die mit der Pflanzenwelt innig verbunden ist. Sie wird von Wurzeln umschlungen, die selbst aus ihr sprießen, und von Blattwerk umhüllt. Das eine kann ohne das andere auf Dauer nicht existieren, und somit sind beide voneinander abhängig.
Wie aus rohen Baumstämmen phantasievolle Kunstwerke werden, kann man ab Mitte August am Pfanntalskopf bei Oberhof miterleben. 12 Künstler aus Deutschland, Polen und Togo beteiligen sich an einem Holzbildhauersymposium, das der Naturpark Thüringer Wald und der Rennsteiggarten anlässlich des Jahres der Naturparke in Deutschland gemeinsam veranstalten.
„Wir haben uns ganz bewusst für diesen Veranstaltungsort entschieden“, meint Naturpark-Geschäftsführer Florian Meusel, „weil der Rennsteiggarten ja auch Standort eines unserer wichtigsten und meistbesuchten Naturpark-Informationszentren ist. Die Künstler und ihre Skulpturen werten den Botanischen Garten zusätzlich auf und sind die Attraktion dieses Sommers.“
Mit dem Symposium soll an Traditionen angeknüpft werden, die schon seit altersher das enge Verhältnis des Menschen im Thüringer Wald zu der ihn umgebenden Natur widerspiegeln. Das ist freilich mehr, als der schon legendäre Holzquirl für die „Hütes“, zu dem ein Astkranz des ausgedienten Weihnachtsbaumes alle Jahre wieder recycelt wurde. Vielmehr hat der Wäldler auch früher schon in die Verarbeitung des Rohstoffes Holz, je nach Talent und Zeitgeschmack, auch so manche künstlerische Note hineingearbeitet. Seien es Ornamente oder auch Sprüche und Monogramme, mit denen profane Gebrauchsgegenständen gerne verziert worden sind. Ganze Gewerbezweige fußten später auf dem geschickten Umgang mit dem vertrauten Material: Holzspielzeug, Dekorationsgegenstände, geschnitzte „Kasperköpf´ “ und anderes mehr wurden zu Markenzeichen des Broterwerbs der „Wäldler“.
Ganz in diesem Sinne sollen die Teilnehmer des Symposiums nun das Motto „Brücken bauen zwischen Mensch und Natur“ künstlerisch verarbeiten. Dabei haben die Veranstalter schon bei der Auswahl der Teilnehmer darauf geachtet, dass möglichst vielfältige und interessante Handschriften im Rennsteiggarten ihre Spuren hinterlassen. Denn insgesamt 25 Bewerber hatten sich mit Entwürfen zu dem ausgeschriebenen Thema einer Fachjury gestellt, die daraufhin die Auswahl der Teilnehmer am Oberhofer Symposium vorgenommen hat.
Ab 12. August lassen sich nun die Holzbildhauer von den Besuchern des Rennsteiggartens über die Schultern schauen, denn sie machen den Platz an der zentralen Schauanlage zum Künstleratelier, wo eine Woche lang Holzspäne fliegen und das Geräusch von Motorsägen und Schnitzmessern die Szenerie beherrscht.
Die fertigen Plastiken bleiben dann der Region erhalten. Sie können nach dem Symposium als kostenlose Dauerleihgaben im Naturpark Thüringer Wald ausgestellt werden.
Neben dem Rennsteiggarten, der den Großteil der organisatorischen Vorbereitung der Veranstaltung geleistet hat, fand der Naturpark auch in der Schnitzschule Empfertshausen einen guten Partner, der seine Erfahrungen mit der Ausrichtung von ähnlichen Veranstaltungen einfließen ließ. Fördermittel, ohne die eine derartige Veranstaltung kaum möglich ist, flossen aus dem EU-Programm LEADER+ in das Vorhaben.
Eingestimmt auf die Aktion werden die Besucher des Rennsteiggartens im übrigen schon seit dem Frühjahr, denn eine kleine Ausstellung mit Holzplastiken ist hier bereits am 1. Mai eröffnet worden. Die offizielle Auftaktveranstaltung am 12. August sowie eine Werkstatt-Vernissage am 30. August mit den beteiligten Künstlern bilden den Rahmen des Holzbildhauer-Symposiums in Oberhof.
Ingo Luther
V.i.S.d.P. Florian Meusel
Geschäftsführer
Naturpark Thüringer Wald
Die Künstler sind vom 12. bis 20. August jeweils 10.00 bis 16.00 Uhr im Rennsteiggarten vor Ort und können bei der Arbeit beobachtet werden.